Leseprobe aus Outlanders!

Hier eine kleine Leseprobe, aus einem der kommenden Outlander Romane.
Hierbei geht es um ein Gespräch über Glauben.
 
Dominic glaubte inzwischen nicht mehr uneingeschränkt an die Existenz eines Gottes. Wegen all der schrecklichen Ereignisse schien es ihm sinnvoll, sich der unermesslichen Schar derer anzuschließen, die ihren Glauben verloren hatten. Oder die dem Überwesen unterstellten, sich nicht um seine Geschöpfe zu kümmern und sie einem kalten, leeren Universum zu überlassen. Noch war er nicht bereit sich als Atheist zu bezeichnen. Aber mit dem Deismus konnte er sich immerhin schon anfreunden.
Dominic wusste, dass Mestray gläubig war. Er glaubte sowohl an die krude Schöpfungsgeschichte der Akkato, als auch an einen allmächtigen Gott, der die stoffliche Welt geschaffen hatte. Mestray war sogar nicht davor zurückgeschreckt, sich diverse religiöse Richtungen der Menschen näher anzusehen und sie einer Prüfung zu unterziehen. Über das Ergebnis jedoch schwieg er sich aus.
Der pferdeköpfige Akkato saß im Schein des Lagerfeuers und hatte sich Dominics atheistische und agnostische Ansichten angehört und keine davon kommentiert. Mit gleichmütiger Mine ließ er alle Worte und Argumente über sich ergehen, die der junge Mensch vorbrachte. Ab und an nickte er, oder sah grübelnd zum Himmel hinauf. Dominic war kein Philosoph und womöglich hielt der Akkatofürst seine Denkansätze und Schlussfolgerungen für wenig plausibel, unbefriedigend oder für zu einfach. Dominic musste zugeben, dass er seinem Gegenüber lediglich die üblichen Thesen und Ansichten zu Gehör brachte, die man als Zweifler und angehender Atheist ins Feld führte. Dominic wünschte sich, ihm wären ein stichhaltiger Argumente bekannt, die über die üblichen Phrasen hinausgingen und Mestray davon überzeugte, wie unsinnig sein Glaube sei. Doch der Akkato beschäftigte sich mit einem ganz anderen Denk und Argumentationsmodell.
„Ich besitze einen großen Palast“, begann er zu erzählen. „Er soll über eintausend Zimmer und Säle verfügen. So genau weiss ich das nicht.“ Er hielt kurz inne und starrte in die Flammen. „Sie unterscheiden sich nur in ihrer Größe, in der Anzahl und Anordnung der Möbel, der Fenster, sowie Farben und Muster der Tapeten. Ich habe mir daher nicht die Mühe gemacht alle Räume zu erkunden.“
Dominic wartete gespannt auf eine Erklärung. Bestimmt würde ihm Mestray gleich mit dem abgedroschenen Argument kommen, dass der Palast, mit all seinen Zimmern einem sinnvollen Konzept entsprach und daher von einem intelligenten Wesen geschaffen sein musste. Aber irgendwie war Dominic klar, das er dem Akkato damit ein zu schlichtes Gemüt unterstellte.
„Alle Räume des stofflichen Universums erscheinen in der gleichen Vielfalt“, erklärte er weiter. „Aber reduziert auf das Wesentliche sind sie nur Zimmer mit variierenden Mustern und Anordnungen von Materie. Mir käme ein Gang durch dieses Universum vor, wie ein ermüdender Spaziergang duch die Gemächer meines Palastes. Ein trostloser Gang durch ein unendliches Universum, mit wechselnden Tapeten.“
Dominic hatte noch immer keine Ahnung auf was er hinauswollte. Es klang nicht nach dem ultimativen Gottesbeweis.
Ulan Mestray sah gedankenverloren und traurig in das Feuer, in dessen Glut er mit einem langen Zweig herumstocherte, sodass die Funken aufflogen. „Unsere Wissenschaftler und Philosophen sagen“, fuhr er fort, „und ich habe das auch schon von Menschen gehört, dass das Universum denkende Wesen hervorgebracht hat, um sich selbst begreifen und erfahren zu können. Doch dieses Geschöpf, ausgerüstet mit einem wissbegierigen Geist und einem nicht unerheblichen spirituellen Wesenszug, steht nun vor seinem willenlosen Schöpfer, nachdem es alle Räume des Alls mit ihren wechselnden Mustern an Tapeten durchwandert hat und fragt: „Ist das alles? Ist da Gar nichts mehr?“ Der Akkato sah Dominic mit traurigen Augen an. „Das Universum hat einen schlechten Sinn für Humor.“
 
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