Leseprobe Scavengers 5-? Das Erbe der Drachentochter

Wie Skyra es angekündigt hatte, beraumte sie eine Besprechung im Mannschaftsraum des Schiffes an. Sie setzte sich an den großen runden Tisch, in den Sessel mit der hohen Rückenlehne, der für sie reserviert war und beobachtete das Kommen ihrer Freunde. Außer den Neuen, wie Abby Lockwood, dem Piloten Mac Adera und Yakara Kaleyn, die als Scout angestellt war, fiel es ihr schwer, keinem von ihnen böse zu sein.

Zuna traf als erstes ein. Sie setzte sich still an ihren Platz und versuchte Skyras Blicken auszuweichen. Der Nächste war Marcus Liverton. Ein ehemaliger Archäologe, den es schon früh in die Reihen der Scavenger verschlagen hatte. Seiner Meinung nach, waren sie die ehrlicheren Diebe, zu denen er auch seine ehemaligen Wissenschaftler-Kollegen zählte, die das aber nie zugeben würden. Mit dreihundert Jahren war er der Älteste auf dem Schiff. Er trug einen kurzen grauen Bart, hatte lange weiße Haare – weswegen man ihn auch “Geister Bob“ nannte  – und war etwas untersetzt. Die intelligenten, graublauen Augen zwinkerten Skyra zu, die diese Geste jedoch nicht erwiderte.

Doreen Bakana, kam ursprünglich vom Militär. Sie hatte die kaiserlichen Truppen verlassen und sich vor Jahren Aldus Greyfield angeschlossen. Ihre medizinische Ausbildung, erwies sich als ein unschätzbarer Vorteil für die Mannschaft. Denn obwohl Liverton bis dahin als Schiffsarzt fungierte, waren ihre fachlichen Kenntnisse doch um einiges solider und das eindrucksvolle Ergebnis imperialer Schulung. Die athletische Frau, mit den blonden Haaren und den wasserblauen Augen war nicht mehr ganz jung, was ihrer Attraktivität keinen Abbruch tat. Sie setzte sich neben Liverton, der ihr irgendetwas ins Ohr flüsterte. Es musste etwas Zweideutiges gewesen sein, wie Skyra an Doreens verhaltenem Grinsen erkannte.

Der Mechaniker Frank Filby, der jetzt den Raum betrat, hatte gerade seinen zweihundertfünfzigsten Geburtstag hinter sich gebracht. Er war ein stämmiger Mann, mit braunen Augen und kurzen schwarzen Haaren. Filby gehörte zu den Menschen, die immer einen dummen Kommentar auf den Lippen hatten und die ständig Witze erzählten mussten. Er hielt mit seiner Meinung nie hinter dem Berg. Dieser Angewohnheit verdankte er eine mehrfach gebrochene Nase, die wie eine dicke Kartoffel in seinem runden Gesicht prangte. Er machte einen Scherz, als er sich Zuna gegenüber an den Tisch setzte. Niemand lachte. Alle hatten Skyras schlechte Stimmung inzwischen bemerkt.

Als sich alle Crewmitglieder eingefunden hatten musterte sie zuerst jeden Einzelnen von ihnen. Besonders jeden, der schon mit ihrem Vater auf Erntefahrt gegangen war.

Karl Pongridge, kam mit den jungen Leuten in der Crew. Abby setzte sich und neben ihm nahmen der schlaksige Mac Adera, der als Pilot der Reekan arbeitete und Yakara Kaleyn Platz. Yakara, die man auch Jaky nannte, war groß und schlank. Sie trug ihre lockigen, brünetten Haare lang und schminkte die großen dunklen Augen, damit sie noch auffälliger wirkten. Sie hatte ein lebhaftes Wesen, war impulsiv und leicht zu reizen. Es gab einen Grund, warum sie sich weit weg von Filby an den Tisch gesetzt hatte. Sie war der Scout in der Truppe. Ihre Aufgabe war es, in alten Wracks nach aggressiven Lebensformen zu suchen und dieses zu eliminieren, bevor sich die Scavenger an dessen Bergung wagen konnten. Sie war im Umgang mit allen Arten von Waffen geschickt und Doreen damit mehr als ebenbürtig.

Sewon stellte sich an das Schott um das Treffen der Menschen mitzuverfolgen. Er behauptete zwar immer, er müsse das tun, um möglichst viele Daten zu erhalten, die es ihm leichter machten, das Verhalten seiner organischen Kollegen zu verstehen. Skyra vermutete jedoch, dass er lediglich neugierig war.

 

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