Leseprobe! Scavengers 3 – Beast

Nea schlenderte frustriert durch die Gänge des Schiffes. Sie war immer aufs Neue fasziniert von der Größe der Rimmon, die früher einmal ein Truppentransporter gewesen war. Es gab viele Bereiche, an denen man seinen früheren Zweck noch erkennen konnte. Die riesige, zentrale Halle umlaufend, waren zahlreiche Räume angeordnet, die ursprünglich als Mannschaftsunterkünfte dienten. Jetzt waren sie Lagerräume für unzählige Arten von Technoschrott. In den Geschützborten stapelten sich klotzige Maschinenteile, die Zeb aus großen Fahrzeugen ausgebaut hatte.

Nea erreichte schließlich die Hecksektion, wo sich die Steuer- und Regelsysteme der Rimmon befanden, und erschrak. Einige Schritte voraus stand jemand. Es war auf den ersten Blick eine Frau, in einem engen, schwarzen Raumanzug, die an einem Computerterminal arbeitete. Sie hatte Nea den Rücken zugewandt, aber ihr Kommen offenbar bemerkt. Sie hob die Hand und winkte Nea mit einer sanften Geste heran ohne sich von ihrem Terminal abzuwenden.

Nea kam vorsichtig näher und die Frau wendete sich in einer anmutig fließenden Bewegung herum. Jetzt erkannte Nea, dass es sich um einen Roboter handelte. Eine wunderschöne Maschine, deren schwarze Lackierung hier und da von Gold und Chrom durchzogen war. Die Finger waren lang und schlank und von ihrem Kopf wallte eine Mähne aus feinen Kabeln oder Antennen. Das Gesicht war dem eines Oponimädchens nachgebildet und schien zu lächeln. Die Augen mandelförmig und schimmernd in klarem Blau.

“Du bist der Scout, von dem alle sprechen”, stellte sie fest. Ihre Stimme war sanft und angenehm wie das Rauschen von Wind.

“Ich bin Nea”, antwortete sie. “Und du musst Nitiri sein“, erinnerte sich Nea an Yanomees Worte, bei ihrer Begegnung auf Derebay.

“Das ist mein Name.”

Nea war verlegen. Sie wusste nicht recht, was sie sagen sollte. Noch nie zuvor war sie einer Maschine begegnet, die sich so nahe an der Vollkommenheit bewegte.

“Du bist hier quasi für die zweite Buchführung zuständig”, bemerkte Nea etwas unbeholfen und glaubte erkennen zu können, dass sich Nitiri über ihre Worte amüsierte. Das Metall um ihre Mundwinkel kräuselte sich zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln. Aber es konnte auch eine Täuschung sein. Langsam wendete sich das Roboterwesen wieder ab und setzte seine Arbeit an den Computern fort.

“Ich habe noch zu tun”, meinte Nea und wollte gehen.

“Bist du schon einmal einem Tigermaug begegnet?”, fragte Nitiri unvermittelt.

Nea zögerte. Eine seltsame Frage. “Ja, das bin ich.”

“Ich habe von ihnen gehört”, sagte Nitiri, als spräche sie zu sich selbst. “Sie sollen Fabeltieren aus den Legenden gleichen und übernatürliche Fähigkeiten besitzen. Ist das wahr?”

Nea wusste nicht, was sie von der Frage halten sollte. “Das könnte man sagen”, antwortete Nea und versuchte den ungewöhnlichsten Aspekt dieser Kreaturen zu beschreiben. “Sie benützen telepathische Impulse, um ihre Opfer zu täuschen. Oder ihre Jäger. Die Begegnung mit einem Tigermaug ist beeindruckend und so unvergesslich, wie sie gefährlich ist.”

“Stimmt es, dass ihre Augen wie Silber glänzen? Das Schimmern von Eis auf einem gefrorenen See, an einem klaren Wintertag.”

“Ja, das ist wahr.”

“Ich danke dir für diese Daten.”

Danach sagte Nitiri nichts mehr, und Nea ging weg. Sie fröstelte und hatte eine Gänsehaut am ganzen Leib.

Scavengers 3 – Beast

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