Asgaroon Prosa.

„Ich erinnere mich gut an die Zeit, als ich noch zu den Menschen gehörte und an die Gespräche die wir führten. Von Rätseln hattest du gesprochen, von Geheimnissen jenseits des Greifbaren, jenseits der Materie. Damals war ich nicht im Stande dich zu verstehen, dein Streben, deinen Ehrgeiz. Zu jener Zeit war mein Leben trivial und voller Stumpfheit. Und selbst wenn ich gewollt hätte, so war mein Geist doch gefangen, in einem fleischlichen Körper. Einer Daseinsform, der so viele Grenzen gesetzt sind. Ich habe immer deinen rastlosen Geist bewundert, der ohne Unterlass nach dem wahren Wesen der Dinge suchte. Deine Irrwege dein Scheitern, deine Unermüdlichkeit. Deine Beharrlichkeit, deine Neugier. Unersättlich, unermüdlich. Und doch vergebens, wie alle Mühe, mit der ein sterblicher Geist versucht Erleuchtung zu finden.
Nun aber weiß ich, dass selbst der größte Genius nicht im Stande ist, auch nur die Haut der Dinge zu ritzen, die er zu ergründen wünscht. Für den Menschen ist dieses Unterfangen nutzlos und enttäuschend. Seine Natur zu schwach, als dass er auch nur einen Flüstern zu ertragen vermöchte, dass vom Gebrüll der Erkenntnis an seine Ohren dringen könnte, die jetzt meinen Geist erfüllt.
All dein Streben ist vergebens. Wie kannst du nur glauben, dass es dir gelingen könnte, die letzte Erkenntnis zu erlangen. Die Last der Materie ist zu schwer und sie erlaubt es den Menschen nicht, den Kopf zu heben, um die Dinge zu erkennen, die weit über ihren Häuptern schweben. Ich bin über all diese Grenzen hinausgewachsen. Mein Blick reicht weit. Und was die weisesten der Weisen zu wissen glauben; nach einem Leben voller Grübeleien und Vermutungen, kann ich erkennen, nur durch einen Seitenblick. All die Zivilisationen der fleischlichen Kreaturen und ihr mühevoll erworbenes Wissen, sind für mich nichts weiter, als Schaumbläschen, auf den Wellen eines unendlich weiten und tiefen Ozeans.
Ich wünschte du wärest bei mir, Nea. Zusammen könnten wir die Anmut der Wirklichkeit erleben. Die Vollkommenheit eines makellosen Datenmusters, nach dem sich alle Materie zu ordnen hat. Hier wird die Wirklichkeit gewoben und ins Dasein gebracht.
Komm zu mir, Liebste, damit wir gemeinsam träumen können. Die Schönheiten und Wunder der Welt bestaunen, wenn sich für dich der Vorhang hebt, hinter den deine Augen jetzt noch nicht blicken können.“

Kim, die Lenkerin, in einem Gespräch mit Nea Diehl.

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